Oviedo, 29. April 2025
Ein deutsch-amerikanisches Ehepaar wurde in Oviedo, einer Stadt im Norden Spaniens, festgenommen. Sie hatten ihre drei minderjährigen Kinder fast vier Jahre lang isoliert in einem abgelegenen Landhaus gehalten.
Die Kinder — achtjährige Zwillingsbrüder und ein zwölfjähriger Junge — waren weder in der Schule angemeldet noch hatten sie das Haus jemals verlassen. Bei ihrer Rettung reagierten sie erstaunt, als sie zum ersten Mal Gras berührten und frische Luft einatmeten.
Deutsche Familie lebte in völliger Isolation
Der Vater (53) und die Mutter (48) — beide mit deutscher Staatsangehörigkeit, die Mutter zudem US-amerikanischer Herkunft — lebten mit ihren Kindern seit Dezember 2021 zurückgezogen in einem Chalet in der ländlichen Umgebung von Oviedo, in der Region Asturien.
„Die Kinder waren völlig von der Realität abgeschnitten“, berichtete Francisco Javier Lozano, Chef der Lokalpolizei Oviedo. „Wir haben das Haus des Schreckens aufgelöst.“
Alle drei Kinder wurden unter den Schutz der Sozialdienste der Regionalregierung von Asturien gestellt.
Schulpflicht in Spanien: Alarm durch eine Nachbarin
In Spanien besteht eine gesetzliche Schulpflicht für alle Kinder im schulpflichtigen Alter. Ein Fernbleiben vom Präsenzunterricht oder auch eine häusliche Schulbildung (Homeschooling) ist nur unter strengen Auflagen möglich und muss offiziell genehmigt werden.
Eine Nachbarin hatte die Behörden alarmiert, weil sie Kinderstimmen hörte, aber nie sah, dass Kinder das Grundstück verließen oder zur Schule gingen.
Die Lokalpolizei begann daraufhin, das Haus zu beobachten: Die Rollläden waren ständig heruntergelassen, der einzige Kontakt zur Außenwelt bestand aus Lebensmittel-Lieferungen, die der Vater persönlich entgegennahm.
Nachdem die Polizei Beweise gesammelt hatte, genehmigte die Staatsanwaltschaft für Minderjährige eine Durchsuchung.
Die Befreiung: Masken und Angst
Als die Polizei das Haus betrat, trugen die Kinder jeweils drei übereinanderliegende Masken und zeigten starke Anzeichen von Angst. Die Mutter erklärte, die Kinder hätten „schwere gesundheitliche Probleme“ und müssten deshalb isoliert bleiben.
Bislang gibt es jedoch keine offiziellen medizinischen Befunde, die diese Behauptung stützen würden.
„Ich hätte nie gedacht, dass so etwas in unserem Land passieren könnte“, sagte Polizeichef Lozano.
Die Guardia Civil führt die Ermittlungen weiter, um die Hintergründe dieser langjährigen Isolation vollständig aufzuklären.

Münchhausen Stellvertretersyndrom. Man sollte die Kinder vor den Eltern in Sicherheit bringen.