El Casar fordert die Abschaffung eines von Marokko finanzierten Bildungsprojekts, das bereits in zwölf autonomen Gemeinschaften Spaniens läuft
Der Gemeinderat von El Casar (Provinz Guadalajara, Kastilien-La Mancha) hat eine Resolution verabschiedet, in der die sofortige Aussetzung des Programms für Arabische Sprache und Marokkanische Kultur (PLACM) gefordert wird. Das Programm wurde im Rahmen einer bilateralen Vereinbarung zwischen Marokko und Spanien ins Leben gerufen.
Was ist das PLACM?
Das PLACM ist ein freiwilliges, außerschulisches Programm, das sich vor allem an Schülerinnen und Schüler mit marokkanischen Wurzeln richtet. Es verfolgt folgende Ziele:
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Vermittlung der arabischen Sprache und marokkanischen Kultur
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Stärkung der kulturellen Identität der Kinder
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Förderung von Integration und kulturellem Respekt
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Einbindung der Familien in den Bildungsprozess
Aktuell wird das Programm an Grund- und Sekundarschulen in zwölf autonomen Gemeinschaften angeboten: Katalonien, Baskenland, Galicien, Andalusien, La Rioja, Murcia, Aragonien, Kastilien-La Mancha, Kanaren, Balearen, Extremadura und Madrid.
Lehrer aus Rabat entsandt
Das Programm wird vollständig von der marokkanischen Regierung finanziert, die auch die Lehrkräfte auswählt. Dieser Umstand sorgt für Kritik, da viele die fehlende Kontrolle seitens des spanischen Staates über die Inhalte bemängeln.
Politische Kontroverse in El Casar
Die von der rechtspopulistischen Partei Vox eingebrachte Resolution wurde mit Unterstützung der konservativen Volkspartei (PP) angenommen – 7 Ja-Stimmen standen 5 Nein-Stimmen (PSOE und Unidas por El Casar) sowie einer Enthaltung gegenüber.
Olga González, Sprecherin von Vox in El Casar, erklärte:
„Spanien ist ein gastfreundliches Land, aber es darf seine kulturelle Identität nicht aufgeben, um außenpolitischen Interessen zu dienen. Unser Bildungssystem muss frei von ausländischem Einfluss bleiben.“
Streitpunkt: „Grüner Marsch“ in einer Schule Murcias
Besonders umstritten war ein Fall in einer Schule im murcianischen Ort Lo Pagán, wo im Rahmen des Unterrichts der marokkanische Nationalfeiertag „Grüner Marsch“ thematisiert wurde – eine Feier, die die Besetzung der Westsahara im Jahr 1975 durch Marokko erinnert und aus spanischer Sicht höchst sensibel ist.
Zahlen und Fakten
Im aktuellen Schuljahr besuchen über 290.000 muslimische Kinder und Jugendliche eine Schule in Spanien. Laut der Islamischen Kommission Spaniens erhalten jedoch 95 % von ihnen keinen islamischen Religionsunterricht – entweder weil dieser nicht angeboten oder den Eltern nicht ausreichend kommuniziert wird.
Wie geht es weiter?
Die Gemeinde El Casar hat ihre Resolution an die Regionalregierung von Kastilien-La Mancha, das Bildungsministerium und die Elternverbände weitergeleitet. Gefordert wird unter anderem:
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Die sofortige Aussetzung des PLACM in ganz Spanien
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Keine ausländisch finanzierten Bildungsangebote ohne vollständige staatliche Kontrolle
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Stärkung der westlich-christlichen Werte auf institutioneller und pädagogischer Ebene
Die Debatte ist eröffnet: Ist das PLACM ein Instrument der Integration oder eine bildungspolitische Kapitulation? Zwischen kultureller Vielfalt, nationaler Identität und diplomatischem Pragmatismus bleibt die Diskussion in Spanien hochaktuell.
