Die Zahl der illegalen Wohnungsbesetzungen in Spanien ist im letzten Jahr drastisch gesunken – auf die Hälfte im Vergleich zu 2024. Ein Rückgang, der auf den ersten Blick wie eine tatsächliche Entspannung wirken mag, in Wahrheit jedoch auf einen tiefgreifenden Strategiewechsel der Eigentümer zurückzuführen ist
von Peter Capitain (Abogado)
Mit dem Inkrafttreten des Organischen Gesetzes 1/2025, das die Effizienz der Justiz steigern soll, sind Eigentümer nun verpflichtet, zuvor einen formellen Einigungsversuch zu unternehmen, bevor sie eine Klage wegen Besetzung einreichen dürfen. Dieser Prozess umfasst eine Mindestwartefrist von einem Monat und hat die Lage grundlegend verändert.
Angesichts der Langsamkeit und der Kosten der gerichtlichen Verfahren verzichten viele Eigentümer inzwischen auf den offiziellen Weg. Stattdessen setzen sie auf schnelle außergerichtliche Lösungen, die mittlerweile zur neuen Norm geworden sind.
Räumungsfirmen: finanzielle Einigungen – oder reine Abschreckung
In diesem neuen Kontext haben sogenannte „Desokupa“-Firmen einen bisher beispiellosen Aufschwung erlebt. Über sie werden zahlreiche Konflikte durch finanzielle Vereinbarungen zwischen Eigentümern und Besetzern gelöst. In anderen Fällen ist nicht einmal eine Zahlung nötig:
Häufig reicht schon der Anblick dieser Gruppen an der Haustür, um den Auszug zu beschleunigen – ganz ohne Polizei und ohne Gerichtsverfahren.
Das Ergebnis: Räumungen innerhalb weniger Stunden oder Tage, statt der monatelangen oder gar jahrelangen Verfahren vor Gericht.
Besser informierte Eigentümer: Alarmsysteme, Kameras und sofortige Polizeirufe
Ein weiterer Schlüsselfaktor für den Rückgang ist, dass Eigentümer heute wesentlich besser informiert sind. Sie wissen, dass bei sofortigem Handeln – insbesondere in den ersten Stunden – die Polizei deutlich eher eingreifen kann.
Dank weit verbreiteter Alarmanlagen mit Kameras wird die Polizei oft innerhalb weniger Minuten gerufen, sobald eine unbefugte Öffnung erkannt wird. In diesen Fällen können die Beamten schnell handeln und die Besetzer auffordern, das Objekt sofort zu verlassen, da es sich um einen laufenden Hausfriedensbruch handelt.
Dieser unmittelbare Handlungsspielraum verhindert, dass sich eine Besetzung „verfestigt“ – was die Rückgewinnung der Wohnung wesentlich erschweren würde.
Eine offene Debatte: Eigentumsrecht vs. Recht auf Wohnen
Diese Entwicklung hat die Diskussion über eines der großen politischen Spannungsfelder Spaniens neu entfacht:
Wie lässt sich das Recht der Eigentümer auf Rückerhalt ihrer Immobilie mit dem verfassungsrechtlichen Auftrag vereinbaren, ein würdiges Wohnen zu garantieren?
Dieser Anspruch ist in Artikel 47 der spanischen Verfassung verankert
In einem Land, in dem die Mieten steigen, bezahlbarer Wohnraum knapp ist und das Thema Besetzungen weiter präsent bleibt, wird dieser Konflikt auch künftig im Zentrum der gesellschaftlichen Debatte stehen.
