Seit Tagen sorgt ein ungewöhnlicher Virusausbruch international für Schlagzeilen. Auslöser ist das Expeditions-Kreuzfahrtschiff „MV Hondius“, das sich nach mehreren bestätigten Hantavirus-Fällen aktuell Richtung Kanarische Inseln bewegt. Während Behörden auf Teneriffa bereits umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen vorbereiten, fragen sich viele Menschen vor allem eines: Wie gefährlich ist das Hantavirus eigentlich wirklich?
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Experten versuchen derzeit zu beruhigen – dennoch beobachten Gesundheitsbehörden weltweit die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit.
Was ist das Hantavirus?
Das Hantavirus ist keine einzelne Krankheit, sondern eine Gruppe verschiedener Viren, die weltweit vorkommen und hauptsächlich durch Nagetiere übertragen werden. Besonders Mäuse, Ratten und andere kleine Nager gelten als natürliche Träger des Virus. Menschen infizieren sich meist nicht direkt durch Tierbisse, sondern über winzige Viruspartikel in der Luft. Diese entstehen beispielsweise dann, wenn getrockneter Urin, Kot oder Speichel infizierter Tiere aufgewirbelt wird.
Das Risiko besteht insbesondere in verlassenen Gebäuden, Scheunen, Lagerräumen, Hütten oder in ländlichen Naturregionen, in denen Nagetiere vorkommen. Besonders gefährlich kann das Reinigen verschlossener Räume sein, wenn kontaminierter Staub eingeatmet wird.
Wo kommt das Hantavirus vor?
Hantaviren existieren auf mehreren Kontinenten, darunter in Nordamerika, Südamerika, Europa und Teilen Asiens. Allerdings unterscheiden sich die einzelnen Virusvarianten teilweise erheblich.
In Europa treten Hantavirus-Infektionen zwar regelmäßig auf, verlaufen jedoch meist deutlich milder als bestimmte südamerikanische Varianten. Auch in Deutschland werden jedes Jahr Fälle registriert, besonders in Waldregionen. Dort verursacht das Virus häufig grippeähnliche Beschwerden oder Nierenprobleme.
Die aktuelle internationale Aufmerksamkeit konzentriert sich jedoch auf das sogenannte Andes-Virus aus Südamerika.
Warum gilt das Andes-Virus als besonders problematisch?
Die meisten bekannten Hantaviren werden ausschließlich von Tieren auf Menschen übertragen. Das Andes-Virus gilt bislang als die einzige bekannte Variante, bei der auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen dokumentiert wurden. Genau deshalb beobachten Virologen den aktuellen Ausbruch so genau.
Nach bisherigem Wissensstand scheint eine Übertragung allerdings nur bei engem und längerem Kontakt möglich zu sein, etwa innerhalb von Familien oder bei der Pflege erkrankter Personen. Anders als bei COVID-19 verbreitet sich das Virus nicht einfach über kurze Alltagskontakte oder große Aerosolwolken in Innenräumen.
Welche Symptome verursacht das Hantavirus?
Die Krankheit beginnt häufig unspezifisch und ähnelt zunächst einer schweren Grippe. Typisch sind plötzliches Fieber, starke Muskel- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schüttelfrost sowie Übelkeit.
Gefährlich wird die Erkrankung dann, wenn sich die Infektion auf die Lunge auswirkt. In schweren Fällen kann es zu Atemnot, Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge, Sauerstoffmangel und schließlich zu Organversagen kommen. Die schwerste Form wird als „Hantavirus Pulmonary Syndrome“ bezeichnet und kann lebensbedrohlich verlaufen.
Wie hoch ist die Sterblichkeit?
Je nach Virusvariante liegt die Sterblichkeitsrate teilweise bei bis zu 30 oder sogar 40 Prozent. Damit gehört das Hantavirus zu den gefährlicheren bekannten Virusinfektionen.
Experten betonen jedoch gleichzeitig einen entscheidenden Unterschied zur Corona-Pandemie: Das Virus verbreitet sich wesentlich schwerer. Während sich SARS-CoV-2 innerhalb kürzester Zeit weltweit ausbreiten konnte, gelten Hantaviren bislang als vergleichsweise schlecht übertragbar.
Könnte daraus trotzdem eine Pandemie entstehen?
Aktuell sehen internationale Gesundheitsbehörden dafür keine Hinweise. Die Weltgesundheitsorganisation sowie mehrere europäische Virologen gehen derzeit nicht davon aus, dass das Hantavirus das Potenzial für eine globale Pandemie wie COVID-19 besitzt. Gründe dafür sind die schwierige Übertragbarkeit, das Fehlen einer schnellen Luftübertragung und die bislang begrenzten Infektionsketten.
Dennoch wird der aktuelle Ausbruch intensiv überwacht – vor allem wegen der hohen Sterblichkeit und der internationalen Reisetätigkeit der Betroffenen.
Warum Spanien und die Kanaren plötzlich im Fokus stehen
Besondere Aufmerksamkeit erhält das Thema aktuell auch in Spanien. Hintergrund ist das Expeditionsschiff „MV Hondius“, auf dem mehrere bestätigte und vermutete Hantavirus-Fälle registriert wurden.
Das Schiff befindet sich derzeit auf dem Weg in Richtung Teneriffa, wo spanische Behörden bereits spezielle Gesundheits- und Quarantänemaßnahmen vorbereiten. Die Situation weckt bei vielen Bewohnern der Kanaren Erinnerungen an die ersten Monate der Corona-Pandemie – auch wenn Experten betonen, dass die aktuelle Lage nicht vergleichbar sei.
Nach bisherigen Informationen soll es auf den Inseln keinen direkten Kontakt zwischen Passagieren und Bevölkerung geben. Dennoch verfolgen Behörden und internationale Medien die Ankunft des Schiffes mit großer Aufmerksamkeit.
Wie kann man sich schützen?
Die wichtigste Schutzmaßnahme bleibt die Vermeidung von Kontakt mit Nagetieren und deren Hinterlassenschaften. Gesundheitsbehörden empfehlen, geschlossene Räume zunächst gut zu lüften und Staub nicht trocken aufzuwirbeln. Bei Reinigungsarbeiten in möglicherweise belasteten Bereichen sollten Schutzmasken und Handschuhe getragen werden. Außerdem gilt es, Lebensmittel sicher zu lagern und einen möglichen Nagetierbefall ernst zu nehmen.
Für Reisende besteht nach Einschätzung von Experten aktuell kein erhöhtes allgemeines Risiko.
