28. August 2026
Lesezeit 4 Minuten

Inflation in Spanien steigt auf 4,3 Prozent – Spritpreise treiben die Teuerung auf höchsten Stand seit drei Jahren

Steigende Benzin- und Dieselpreise treiben die Inflation in Spanien im August auf 4,3 Prozent (Credit: Jean Christophe Gougeon/Unsplash)

Die Inflation in Spanien hat im August deutlich angezogen und den höchsten Wert seit mehr als drei Jahren erreicht. Vor allem die gestiegenen Kraftstoffpreise sorgen für den kräftigen Anstieg. Gleichzeitig gibt es bei der Kerninflation ein überraschendes Signal.

Redaktion Spanien Press

von Marlon Gallego Bosbach

Die Preise in Spanien sind im August deutlich stärker gestiegen als noch im Vormonat. Nach den vorläufigen Daten des spanischen Statistikamts INE lag die jährliche Inflationsrate bei 4,3 Prozent. Im Juli hatte die Teuerungsrate noch 3,6 Prozent betragen.

Damit erreicht die Inflation in Spanien den höchsten Stand seit Februar 2023. Innerhalb eines einzigen Monats erhöhte sich die Rate damit um 0,7 Prozentpunkte. Der wichtigste Grund für die Entwicklung liegt an den Tankstellen: Benzin und Diesel sind deutlich teurer geworden.

Kraftstoffpreise treiben die Inflation

Die Entwicklung der Kraftstoffpreise hat einen erheblichen Einfluss auf die aktuelle Inflationsrate. Während Benzin und Diesel im August des vergangenen Jahres noch günstiger geworden waren, sind die Preise in diesem Jahr gestiegen.

Dieser sogenannte Basiseffekt verstärkt den Anstieg der Jahresinflation zusätzlich. Für Autofahrer ist die Entwicklung unmittelbar spürbar. Wer regelmäßig auf das Auto angewiesen ist, muss derzeit deutlich mehr für das Tanken einplanen.

Die Auswirkungen reichen allerdings weiter. Steigende Kraftstoffpreise erhöhen auch die Kosten für Transportunternehmen, Lieferdienste und andere Unternehmen, die auf Fahrzeuge angewiesen sind. Diese zusätzlichen Kosten können anschließend teilweise an die Verbraucher weitergegeben werden.

Kerninflation geht leicht zurück

Trotz der stark gestiegenen Gesamtinflation zeigt ein anderer wichtiger Indikator eine etwas weniger dramatische Entwicklung. Die Kerninflation sank im August von 3,0 auf 2,9 Prozent.

Bei der Kerninflation werden besonders volatile Komponenten wie Energie und bestimmte Lebensmittel nicht berücksichtigt. Sie gilt deshalb als wichtiger Hinweis darauf, wie stark der Preisdruck in der übrigen Wirtschaft tatsächlich ist. Dass die Kerninflation trotz des starken Anstiegs der Gesamtinflation leicht zurückgeht, deutet darauf hin, dass der aktuelle Inflationssprung vor allem durch die Energiepreise verursacht wird.

Für die kommenden Monate wird deshalb entscheidend sein, ob die höheren Kraftstoffpreise lediglich einen vorübergehenden Effekt darstellen oder ob sie sich zunehmend auf andere Bereiche der Wirtschaft auswirken.

Auch Lebensmittel spielen eine Rolle

Neben den Kraftstoffpreisen beeinflusst auch die Entwicklung bei Lebensmitteln die Inflationsrate. Die Preise für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke gingen im August zwar zurück, allerdings nicht so stark wie im gleichen Monat des vergangenen Jahres. Auch hier macht sich somit ein Basiseffekt bemerkbar.

Für Verbraucher bedeutet das jedoch nicht automatisch eine Entspannung. Entscheidend ist, was ein durchschnittlicher Haushalt tatsächlich für seinen Einkauf bezahlen muss. Gerade bei Lebensmitteln können bereits vergleichsweise kleine Preisveränderungen für Familien spürbar sein.

Spanien reagiert mit Diesel-Rabatt

Die spanische Regierung versucht, die Auswirkungen der hohen Kraftstoffpreise abzufedern. Ab dem 1. September soll die steuerliche Entlastung beim Diesel auf 20 Cent pro Liter erhöht werden. Damit fällt die Unterstützung deutlich höher aus als ursprünglich geplant. Auch für Benzin ist eine Entlastung vorgesehen. Hier soll die Reduzierung im September weiterhin bei 5 Cent pro Liter liegen.

Von den Maßnahmen sollen insbesondere Autofahrer, Transportunternehmen und andere Branchen profitieren, die stark vom Dieselpreis abhängig sind. Ob die Entlastungen tatsächlich zu niedrigeren Preisen an den Tankstellen führen, hängt allerdings auch von der Entwicklung der internationalen Ölpreise ab.

Geopolitische Lage sorgt für zusätzlichen Druck

Hinter der Entwicklung steht auch die angespannte Situation auf den internationalen Energiemärkten.

Der Krieg im Iran und die damit verbundenen Unsicherheiten haben die Energiepreise unter Druck gesetzt. Für Länder wie Spanien, die einen großen Teil ihrer Energieversorgung über internationale Märkte absichern müssen, können solche Entwicklungen schnell Auswirkungen auf die Verbraucherpreise haben.

Steigende Ölpreise verteuern zunächst Benzin und Diesel. Gleichzeitig können höhere Energiekosten aber auch die Produktion und den Transport von Waren verteuern. Damit besteht die Gefahr, dass ein zunächst auf Energie beschränkter Preisschock nach und nach auf weitere Bereiche der Wirtschaft übergreift.

Inflation deutlich über dem EZB-Ziel

Mit einer Inflationsrate von 4,3 Prozent liegt Spanien inzwischen deutlich über dem mittelfristigen Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent. Für die EZB ist die aktuelle Entwicklung deshalb von großer Bedeutung.

Allerdings dürfte nicht allein die Gesamtinflation betrachtet werden. Entscheidend ist vielmehr, ob der aktuelle Preisanstieg dauerhaft bleibt und sich auch bei Dienstleistungen und anderen Gütern bemerkbar macht. Die leicht gesunkene Kerninflation auf 2,9 Prozent spricht zumindest derzeit gegen eine vollständig breit angelegte neue Inflationswelle.

Sollten die Energiepreise jedoch über einen längeren Zeitraum hoch bleiben, könnten Unternehmen ihre gestiegenen Kosten zunehmend an die Kunden weitergeben. Dann könnte auch die Kerninflation wieder steigen.

Was bedeutet das für die Menschen in Spanien?

Für die Verbraucher bedeutet die aktuelle Entwicklung vor allem eines: Das Leben wird wieder teurer. Besonders betroffen sind Menschen, die regelmäßig mit dem Auto fahren oder beruflich auf ein Fahrzeug angewiesen sind. Für sie steigen die monatlichen Ausgaben unmittelbar durch die höheren Kraftstoffpreise.

Aber auch Haushalte ohne Auto können indirekt betroffen sein. Wenn Transport, Logistik und Produktion teurer werden, können Unternehmen diese Kosten über höhere Preise für Waren und Dienstleistungen weiterreichen.

Wie stark ein einzelner Haushalt die Inflation tatsächlich spürt, hängt deshalb stark vom persönlichen Konsumverhalten ab.

Noch keine endgültigen Zahlen

Bei den veröffentlichten 4,3 Prozent handelt es sich zunächst um einen vorläufigen Wert. Die endgültigen Inflationsdaten für August sollen vom INE am 15. September 2026 veröffentlicht werden. Für den europäischen Vergleich ist außerdem der harmonisierte Verbraucherpreisindex (IPCA) wichtig. Dieser lag nach den vorläufigen Angaben im August bei 4,5 Prozent.

Damit steht Spanien vor einer neuen Phase deutlich höherer Inflation. Entscheidend wird nun sein, wie sich die Energiepreise in den kommenden Monaten entwickeln und ob der aktuelle Preisschub auf die Kraftstoffpreise begrenzt bleibt.

Der August zeigt bereits deutlich: Die Entwicklung an den Tankstellen ist wieder zu einem der wichtigsten Faktoren für die Inflation in Spanien geworden.

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