Der emeritierte König Juan Carlos I wird bald selbst das Wort ergreifen. Mit 87 Jahren arbeitet der Mann, der Spanien nach dem Tod Francos in die Demokratie führte, an seinen Memoiren, die den Titel Versöhnung (Reconciliación) tragen sollen. Das Buch erscheint voraussichtlich Ende 2025 oder Anfang 2026 beim Verlag Planeta – und es soll, so heißt es, „ohne Filter“ erzählen, wer der einst so gefeierte Monarch wirklich war
Redaktion Spanien Press
„Ich habe das Gefühl, man stiehlt mir meine Geschichte“
Nach Jahren des Schweigens will Juan Carlos seine eigene Version der Geschichte festhalten. „Ich habe das Gefühl, man stiehlt mir meine Geschichte“, soll er gegenüber seinem Umfeld gesagt haben – eine Anspielung auf die Skandale, die sein Bild in den letzten Jahren überschattet haben: undurchsichtige Finanzgeschäfte, seine Beziehung zu Corinna Larsen und sein abruptes Exil in Abu Dhabi.
Das Buch soll nicht nur diese dunklen Kapitel behandeln, sondern auch die großen historischen Momente seines Lebens: den Übergang Spaniens zur Demokratie, seine Beziehung zu Adolfo Suárez, seine Rolle während des Putschversuchs am 23. Februar 1981 und den Aufbau internationaler Allianzen, die Spanien in Europa verankerten.
Versöhnung mit Spanien – und mit sich selbst
Der Titel Versöhnung deutet auf den Kern des Projekts hin: eine Annäherung zwischen Juan Carlos, seinem Land und seiner eigenen Vergangenheit. Der ehemalige Monarch sucht offenbar nicht nur die Anerkennung für seine politischen Verdienste, sondern auch Verständnis für seine menschlichen Fehler.
Das Werk, das in Zusammenarbeit mit einem kleinen Kreis von Historikern und Autoren entsteht, soll zeitgleich in mehreren Sprachen erscheinen – als Zeugnis eines Lebens zwischen Macht, Glanz und Fallhöhe.
Ein ungewöhnlicher Schritt für die spanische Monarchie
Dass ein Mitglied der spanischen Königsfamilie persönliche Memoiren veröffentlicht, ist ein Novum. Während britische oder niederländische Royals gelegentlich offen über ihr Leben sprechen, herrschte in Spanien stets strenge Diskretion.
Die Ankündigung löst daher Neugier und Nervosität zugleich aus. Beobachter vermuten, dass der Inhalt politische und gesellschaftliche Debatten anstoßen könnte – über die Zukunft der Monarchie, die Grenzen der Transparenz und das Verhältnis zwischen Juan Carlos I und König Felipe VI.
Zwischen Geschichte und Selbstrechtfertigung
Für manche ist das Buch ein Akt der späten Selbstrechtfertigung; für andere ein notwendiger Beitrag, um ein komplexes Kapitel spanischer Geschichte zu verstehen.
Eines aber ist klar: Juan Carlos I – der König, der einst Spanien vereinte und später in Ungnade fiel – will nicht im Schweigen verschwinden.

