Während in den vergangenen Sommern Quallen an vielen Stränden der Costa del Sol regelmäßig für Warnflaggen, Badeverbote und schmerzhafte Begegnungen sorgten, erleben Urlauber und Einheimische in diesem Jahr eine überraschende Ausnahme. Nach Einschätzung von Meeresbiologen sind entlang der Küste derzeit außergewöhnlich wenige Quallen unterwegs – und die günstige Situation könnte noch über Wochen anhalten.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Verantwortlich dafür sind besondere Strömungsverhältnisse im westlichen Mittelmeer, die die Meerestiere derzeit davon abhalten, die Strände der Provinz Málaga zu erreichen.
Strömungen bilden eine natürliche Barriere
Nach Angaben von Meeresexperten hat sich im Alborán-Meer, dem Meeresgebiet zwischen der Straße von Gibraltar und der spanischen Mittelmeerküste, eine ungewöhnliche Strömungslage entwickelt. Ein kräftiger Zustrom von Atlantikwasser verändert die Dynamik im Meer und führt zur Bildung zweier großer Strömungswirbel.
Einer dieser Wirbel befindet sich vor dem Leuchtturm Calaburras zwischen Mijas und Fuengirola, ein weiterer vor der Küste von Motril in der Provinz Granada. Gemeinsam wirken sie wie eine natürliche Barriere: Quallen, die normalerweise durch Wind und Meeresströmungen Richtung Küste transportiert werden, bleiben dadurch weit draußen auf dem offenen Meer.
Selbst der Levante kann die Quallen nicht an Land treiben
Besonders bemerkenswert ist nach Einschätzung der Wissenschaftler, dass selbst der in Andalusien bekannte Levante-Wind derzeit kaum Einfluss auf die Situation hat.
Normalerweise sorgt dieser kräftige Ostwind regelmäßig dafür, dass Quallen innerhalb weniger Stunden an die Strände gespült werden. In diesem Sommer sind die Meeresströmungen jedoch offenbar stärker als der Windeffekt. Die Quallen werden weiterhin offshore gehalten und gelangen deshalb kaum in die Badezonen.
Für Strandbesucher bedeutet das deutlich angenehmere Bedingungen als in vielen vergangenen Sommern.
Gefürchtete Leuchtqualle bleibt bislang aus
Vor allem eine Art sorgt an der Costa del Sol regelmäßig für Probleme: die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca).
Die meist rosa bis violett gefärbte Qualle ist vergleichsweise klein, besitzt jedoch hochwirksame Nesselzellen. Bereits ein kurzer Kontakt kann starke Schmerzen, Hautreizungen und lang anhaltende Beschwerden verursachen. In Jahren mit günstigen Strömungsverhältnissen treten diese Tiere häufig in großen Schwärmen auf und führen an zahlreichen Stränden zur gelben oder sogar roten Warnflagge.
In diesem Sommer wurden bislang jedoch nur vereinzelte Exemplare registriert.
Gute Nachrichten für Urlauber
Für die Tourismusbranche kommt die Entwicklung genau zur richtigen Zeit. Die Costa del Sol befindet sich mitten in der Hochsaison, täglich besuchen Zehntausende Menschen die Strände zwischen Nerja, Málaga, Torremolinos, Benalmádena, Fuengirola, Marbella und Estepona.
Bleiben die aktuellen Meeresströmungen bestehen, könnten Badegäste den Großteil des Sommers ohne größere Quallenplagen genießen. Das würde nicht nur den Urlaubern zugutekommen, sondern auch den Rettungsschwimmern und Stranddiensten, die in Jahren mit starkem Quallenaufkommen regelmäßig zahlreiche Einsätze wegen schmerzhafter Stiche verzeichnen.
Situation kann sich jederzeit ändern
Trotz der positiven Entwicklung mahnen Experten jedoch zur Vorsicht. Quallenvorkommen gehören zu natürlichen Prozessen im Mittelmeer und können sich innerhalb weniger Tage verändern.
Ändern sich Windrichtung oder Meeresströmungen, könnten einzelne Schwärme dennoch an die Küste gelangen. Besonders nach längeren Levante-Phasen steigt das Risiko normalerweise deutlich an.
Deshalb empfehlen die Behörden und Rettungsdienste weiterhin, auf die Flaggen an den Stränden sowie auf aktuelle Hinweise der Gemeinden zu achten.
Quallen gehören zum Ökosystem
Auch wenn Quallen für Badegäste oft als lästig empfunden werden, erfüllen sie im Meer eine wichtige ökologische Funktion. Sie sind Bestandteil der Nahrungskette und dienen zahlreichen Fischarten sowie Meeresschildkröten als Nahrung.
Wissenschaftler weisen deshalb darauf hin, dass einzelne Sichtungen kein ungewöhnliches Ereignis darstellen. Entscheidend ist vielmehr, ob Wind und Strömungen große Ansammlungen in Küstennähe konzentrieren – genau das scheint in diesem Sommer bislang auszubleiben.
Sollte sich die derzeitige Wetter- und Strömungslage fortsetzen, könnten die Strände der Costa del Sol einen der angenehmsten und quallenärmsten Sommer der vergangenen Jahre erleben – eine seltene Nachricht, über die sich sowohl Urlauber als auch Einheimische freuen dürften.
