Redaktion Spanien Press
Eine seit Jahrzehnten verschollene gotische Tafelmalerei aus Villalpando (Provinz Zamora) ist mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) in den Vereinigten Staaten wiederentdeckt worden. Der Fund gilt als kunsthistorische Sensation und als Beispiel dafür, wie moderne Technologie neue Wege in der Erforschung des kulturellen Erbes eröffnet.
Bei dem Werk handelt es sich um die Tafel „Procesión al Monte Gargano“, ein Werk des renommierten Malers Nicolás Francés, einem der bedeutendsten Vertreter der internationalen Gotik in Spanien im 15. Jahrhundert.
Ein verlorenes Stück spanischer Kunstgeschichte
Die Tafel war ursprünglich Teil des Hochaltars der Kirche San Miguel in Villalpando. Das Retabel bestand aus vier zusammengehörenden Gemälden, die 1957 aus finanziellen Gründen verkauft wurden. Der Erlös betrug damals lediglich rund 5.000 Peseten, ein Bruchteil des heutigen kunsthistorischen Werts.
Während drei der Tafeln später in bekannten Sammlungen in Barcelona, Montserrat und Cincinnati identifiziert werden konnten, galt das vierte Werk über mehr als 60 Jahre als verschollen.
Historische Fotos und KI führen zum Ziel
Die entscheidende Spur fand der Kunsthistoriker Jaime Gallego von der Fundación ZamorArte. Ausgangspunkt war ein Fotonegativ aus dem Jahr 1960, das die fehlende Tafel zeigte. Mithilfe von KI-gestützten Bildvergleichsprogrammen wurden Formdetails, Figurenanordnung und Farbstrukturen mit digitalen Museumsarchiven abgeglichen.
Das Ergebnis führte eindeutig in die USA: Die Tafel befindet sich im Michele and Donald D’Amour Museum of Fine Arts in Springfield, Massachusetts. Dort war das Werk zwar katalogisiert, seine Herkunft aus Villalpando jedoch bislang unbekannt.
Rechtmäßiger Besitz – keine Rückführung geplant
Das Museum bestätigte die Identifikation und stellte umfangreiche Informationen zur Provenienz zur Verfügung. Die Tafel befindet sich legal im Besitz des Museums, weshalb eine Rückgabe nach Spanien aktuell nicht vorgesehen ist. Dennoch wird der Fund in Spanien als bedeutender Beitrag zur Aufarbeitung des kulturellen Erbes gewertet.
Meilenstein für die Kunstforschung
Experten sehen in diesem Fall einen Präzedenzfall für den Einsatz von KI in der Kunstgeschichte. Erstmals konnte eine lange verschollene Tafel gezielt mithilfe künstlicher Intelligenz lokalisiert werden. Die Fundación ZamorArte plant, die Forschungsergebnisse auf einem internationalen Kongress vorzustellen.
Der Fund unterstreicht nicht nur den Wert spanischer Sakralkunst, sondern zeigt auch, wie digitale Technologien helfen können, historische Verluste zumindest wissenschaftlich zu heilen.
