Wie die spanische Zeitung El Debate exklusiv berichtet, ermittelt die Guardia Civil gegen Santos Cerdán, den Organisationssekretär der regierenden sozialistischen Partei PSOE und eine der Schlüsselfiguren im Machtumfeld von Ministerpräsident Pedro Sánchez. Cerdán soll Bestechungsgelder von einem Bauunternehmer erhalten haben, dessen Firma 2023 einen öffentlichen Auftrag über 76 Millionen Euro in der nordspanischen Region Navarra erhielt.
Das Bauprojekt betrifft die Erweiterung eines Tunnels (Túnel de Belate) – laut Regionalregierung eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben der letzten Jahre. Cerdán soll laut der Anzeige eine enge persönliche Beziehung zum Eigentümer der beteiligten Firma Servinabar 2000 SL pflegen. Die Ermittlungen begannen Ende 2024 nach einer umfangreichen Zeugenaussage bei der Guardia Civil in Pamplona.
Darüber hinaus berichtete El Debate, dass sich Cerdáns Kontostand im fraglichen Zeitraum verfünffacht habe. Parallel dazu ließ er sein Haus umfassend renovieren und kaufte ein Luxusfahrzeug in bar. Ein Unternehmer, der in einen weiteren Korruptionsskandal verwickelt ist, sagte vor Gericht aus, er habe Cerdán im Juni 2021 ein Kuvert mit 15.000 Euro übergeben – angeblich als „Ausgleich“ für eine verlorene Ausschreibung.
Trotz dieser schweren Vorwürfe und der laufenden Ermittlungen betonte Justizminister Félix Bolaños kürzlich, er „lege die Hand für Cerdán ins Feuer“. Offizielle Stellungnahmen oder rechtliche Schritte der PSOE gegen die Anzeige gibt es bislang nicht.
