7. Juli 2026
Lesezeit 3 Minuten

Krebs in Spanien: Diese Regionen sind am stärksten betroffen

Credit National Cancer Institute

Krebs bleibt eine der grössten gesundheitlichen Herausforderungen in Spanien. Nach den jüngsten Angaben des Nationalen Statistikinstituts INE waren Tumorerkrankungen im Jahr 2025 für 116.161 Todesfälle verantwortlich. Insgesamt wurden in Spanien 441.270 Sterbefälle registriert. Damit stand Krebs hinter mehr als jedem vierten Todesfall im Land: Der Anteil lag bei 26,3 Prozent

Redaktion Spanien Press

Die Zahlen bestätigen eine Entwicklung, die das spanische Gesundheitssystem weiter stark belastet. Krebs ist in Spanien weiterhin die häufigste Todesursache. Gleichzeitig gibt es auch eine positive Seite: Obwohl die Zahl der Diagnosen steigt, verbessert sich die Überlebensrate vieler Patientinnen und Patienten dank Forschung, Früherkennung und neuer Behandlungsmöglichkeiten.

Für das Jahr 2026 rechnet die Spanische Gesellschaft für Medizinische Onkologie mit 301.184 neuen Krebsdiagnosen in Spanien. Das entspricht einem Anstieg von rund zwei Prozent gegenüber 2025. Ein Teil dieser Zunahme lässt sich durch die alternde Bevölkerung erklären, aber auch durch bessere Diagnosemöglichkeiten und umfangreichere Vorsorgeprogramme.Zu den Tumoren, die in Spanien die meisten Todesfälle verursachen, zählen Lungen- und Bronchialkrebs sowie Darmkrebs. Im Jahr 2025 starben 23.479 Menschen an Lungen- und Bronchialkrebs, 0,9 Prozent mehr als 2024. Darmkrebs war für 10.610 Todesfälle verantwortlich, ein Anstieg von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Darmkrebs gehört zudem weiterhin zu den häufigsten Krebsarten in der spanischen Bevölkerung

Für 2026 werden rund 44.132 neue Fälle von Darm- und Enddarmkrebs erwartet. Damit liegt diese Tumorart vor Brustkrebs, Lungenkrebs, Prostatakrebs und Blasenkrebs. Gleichzeitig deuten die Daten darauf hin, dass sich einige Tumorarten, darunter Darm- und Lungenkrebs, insbesondere bei Männern stabilisieren oder leicht zurückgehen könnten.

Um die Dimension der Erkrankung richtig einzuordnen, ist die Unterscheidung zwischen Inzidenz und Prävalenz wichtig. Die Inzidenz beschreibt die Zahl der neu diagnostizierten Fälle in einem bestimmten Zeitraum. Die Prävalenz zeigt dagegen, wie viele Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einer Krebserkrankung leben, unabhängig davon, wann die Diagnose gestellt wurde.

Nach Angaben des Beobachtungszentrums der Spanischen Krebsgesellschaft lag die Krebsinzidenz in Spanien im Jahr 2024 bei 597 neuen Diagnosen pro 100.000 Einwohner. Damit bewegt sich Spanien auf einem ähnlichen Niveau wie Europa insgesamt, wo der Durchschnitt im Jahr 2022 bei 569 Fällen pro 100.000 Einwohner lag.

Besonders auffällig sind die regionalen Unterschiede

Das Epidemiologische Informationssystem für Krebs in Spanien, bekannt als SIEC, wurde im Oktober 2025 vorgestellt. Es gilt als erstes offizielles System, das aktuelle Krebsdaten in Spanien systematisch zusammenführt. Erste Daten wiesen auf eine hohe Prävalenz in Regionen wie Katalonien und Andalusien hin. Allerdings liegen noch nicht für alle autonomen Gemeinschaften vollständig harmonisierte Daten vor.

Die höchsten Werte bei Inzidenz und Sterblichkeit wurden 2024 in Asturien, Kastilien und León sowie Galicien verzeichnet. Diese drei Regionen stehen damit an der Spitze der am stärksten betroffenen Gebiete Spaniens. Ein wichtiger Faktor dürfte die demografische Struktur sein. Asturien, Kastilien und León sowie Galicien gehören zu den Regionen mit einer vergleichsweise alten Bevölkerung. Da das Krebsrisiko mit zunehmendem Alter steigt, wirkt sich die Altersstruktur direkt auf die Zahl der Diagnosen und Todesfälle aus.

Am anderen Ende der Statistik stehen die Balearen, Murcia sowie die autonomen Städte Ceuta und Melilla. Sie weisen sowohl bei der Krebsinzidenz als auch bei der Sterblichkeit vergleichsweise niedrige Werte auf. Das kann mit einer jüngeren Bevölkerungsstruktur, anderen Lebensgewohnheiten, Unterschieden bei Risikofaktoren oder einer besseren Früherkennung zusammenhängen.

Auffällig ist zudem die Comunidad de Madrid

Dort liegt die Sterblichkeit im Verhältnis zur Krebsinzidenz vergleichsweise niedriger. Das könnte auf eine dichtere Krankenhausstruktur, schnelleren Zugang zu spezialisierten Behandlungen und wirksamere Früherkennung hinweisen.

Bei der häufigsten Tumorart zeigt sich in fast ganz Spanien ein ähnliches Bild: Darmkrebs ist in den meisten autonomen Gemeinschaften die am häufigsten diagnostizierte Krebsart. Eine auffällige Ausnahme bildet Kantabrien, wo Lungenkrebs an erster Stelle steht.

Die Krebssterblichkeit in Spanien liegt dennoch unter dem europäischen Durchschnitt

Nach Angaben des Beobachtungszentrums der Spanischen Krebsgesellschaft liegt die Sterblichkeitsrate in Spanien bei 227, während der europäische Durchschnitt 263 beträgt.

Die Unterschiede zwischen den Regionen haben nicht nur eine Ursache. Eine Rolle spielen unter anderem das Durchschnittsalter der Bevölkerung, Tabakkonsum, Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht, der Zugang zu Früherkennungsprogrammen, die Geschwindigkeit der Diagnose sowie die Verfügbarkeit medizinischer Ressourcen.

Fachleute weisen darauf hin, dass eine geringere Sterblichkeit nicht allein von besseren Therapien abhängt. Entscheidend sind auch Prävention, gesündere Lebensweisen, regelmässige Vorsorgeuntersuchungen und eine frühzeitige Diagnose. Bei vielen Krebsarten kann eine rechtzeitige Erkennung den Verlauf der Krankheit erheblich beeinflussen.

Spanien steht damit vor einer gesundheitspolitischen Herausforderung

Es werden immer mehr Krebsfälle diagnostiziert, zugleich leben viele Patientinnen und Patienten nach der Diagnose länger. Krebs bleibt eine der gefürchtetsten Krankheiten, doch die Medizin macht Fortschritte. Prävention und Früherkennung bleiben dabei zwei der wichtigsten Waffen im Kampf gegen die Krankheit.

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