von Michael Coy
Die spanische Küstenstadt Málaga zieht angesichts wachsender Wohnraumkrise die Notbremse: Der Stadtrat hat angekündigt, den Bau von 1.300 neuen Ferienwohnungen zu stoppen und prüft nun sogar ein komplettes Verkaufsverbot von Grundstücken an Ausländer.
Diese Maßnahme wird im Rahmen der Überarbeitung des städtebaulichen Entwicklungsplans (PGOU – Plan General de Ordenación Urbana) diskutiert. Dieser Plan, den jede spanische Gemeinde gesetzlich erstellen muss, legt fest, wie Flächen für Wohn-, Industrie- oder Tourismuszwecke genutzt werden dürfen.
Moratorium auf Touristenunterkünfte und Einschränkungen im Immobilienmarkt
Bürgermeister Francisco de la Torre kündigte an, dass auch ein generelles Moratorium für neue touristische Unterkünfte zur Diskussion steht. Diese neue Richtung ist Teil einer umfassenderen Strategie, mit der Málaga versucht, die touristische Übernutzung einzudämmen und die Lebensqualität der Einheimischen zu schützen.
Bereits jetzt ist der Bau neuer Ferienwohnungen in 43 Stadtteilen untersagt, darunter bekannte Viertel wie das historische Zentrum, La Merced und La Malagueta. Zusätzlich wurde ein externes Fachunternehmen beauftragt, um verlässliche Daten über legale und illegale Ferienunterkünfte zu erheben – ein Schritt, der helfen soll, fundierte Entscheidungen für zukünftige Stadtentwicklung zu treffen.
„Wir wollen wissen, wie viele Touristenwohnungen es gibt, wo sie liegen, wie viele neu hinzukommen, und wie viel Land dafür beansprucht wurde. Es geht darum, ein Gleichgewicht zu finden zwischen Tourismus und dem Alltag der Stadt“, so De la Torre.
Immobilienkäufe durch Nicht-EU-Bürger im Fokus
Ein besonders brisantes Thema ist nun der Verkauf von Grundstücken an Ausländer. Zwar ist bislang keine konkrete Maßnahme beschlossen, doch wird ein mögliches Verkaufsverbot an Nicht-Spanier öffentlich diskutiert – mit potenziellen Auswirkungen auf Käufer aus Drittstaaten außerhalb der EU.
Das betrifft nicht nur britische Käufer, die seit dem Brexit ihre EU-Privilegien verloren haben, sondern auch Bürger aus anderen Nicht-EU-Staaten wie den USA, Kanada, Russland, der Schweiz oder China. Für sie könnte der Zugang zum spanischen Immobilienmarkt künftig deutlich eingeschränkt werden.
Rückblick auf alte Skandale – und neue gesellschaftliche Spannungen
Die Diskussion erinnert viele an den sogenannten „Abrissskandal“ in Marbella vor rund 15 Jahren: Damals hatten korrupte Lokalpolitiker Baugenehmigungen in Überschwemmungsgebieten (barrancos) verkauft, was zur späteren Enteignung und Zerstörung illegal gebauter Immobilien führte – viele davon im Besitz ausländischer Käufer. Das Problem: In Spanien gelten Grundstück und Immobilie rechtlich als getrennt – wer ein Haus kauft, besitzt nicht automatisch das Land darunter.
Heute wächst erneut die Sorge, dass Änderungen am PGOU sowie eine mögliche Umwidmung von Flächen rechtliche Unsicherheiten für ausländische Investoren schaffen könnten.
Proteste und ein Stimmungsumschwung in der Stadtpolitik
Zunehmende Proteste gegen die Gentrifizierung durch den Auslandstourismus – oft unter dem Begriff „turistificación“zusammengefasst – haben die politische Diskussion beeinflusst. Jahrzehntelang galten ausländische Käufer als wirtschaftlich willkommen, doch mittlerweile mehren sich die Stimmen, die deren Rolle auf dem überhitzten Immobilienmarkt kritisch hinterfragen.
Die Kritik: Der massive Kaufdruck aus dem Ausland habe die Preise für Wohnungen in die Höhe getrieben – mit der Folge, dass einheimische Familien zunehmend aus ihren Stadtteilen verdrängt werden.
Der neue Kurs in Málaga ist daher auch ein Zeichen: Die Stadt will zurück zu einem Modell, das den Wohnraum als öffentliches Gut betrachtet – nicht als bloßes Anlageobjekt.
