Sabucedo (Galicien) – Jeden Sommer verwandelt sich das kleine Dorf Sabucedo in der Provinz Pontevedra in ein lebendiges Zentrum jahrhundertealter Tradition: Bei der „Rapa das Bestas“, der „Schur der Bestien“, werden halbwilde Pferde von den umliegenden Bergen ins Dorf getrieben, eingefangen und in einem antiken Ritual gezähmt, geschoren und medizinisch versorgt
Redaktion Spanien Press
Ein jahrhundertealtes Ritual
Die Ursprünge der „Rapa das Bestas“ reichen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Ursprünglich diente das Ritual dazu, die wild lebenden Garranos – eine robuste Pferderasse nordiberischen Ursprungs – zu markieren und zu pflegen. Heute gilt das Fest als kulturelles Erbe und zieht jedes Jahr Hunderte von Besuchern, Fotografen und Journalisten an.
Das zentrale Ereignis findet im sogenannten „Curro“ statt – einer runden Arena, wo mehrere Männer, die „aloitadores“, sich den Pferden mit bloßen Händen nähern, sie niederzwingen, ihre Mähnen schneiden und die Tiere kontrollieren. Es ist ein Akt voller Körperkraft, Geschick und Respekt – sagen die Verteidiger des Rituals.
Ein echtes Festival mit Volksfestcharakter
Was einst ein reines Arbeitsritual war, hat sich heute in ein mehrtägiges Festival mit starkem Volksfestcharakter verwandelt. Sabucedo wird zur Bühne für Konzerte, Märkte, lokale Gastronomie und traditionelle Musik. Für viele junge Galicier ist es ein emotionaler Höhepunkt des Sommers, der Heimatverbundenheit und Gemeinschaftsgefühl ausdrückt.
Zwischen Brauchtum und Brutalität
Kritiker werfen der Veranstaltung jedoch vor, unnötigen Stress und Gewalt gegenüber den Tieren auszuüben. Auch wenn es keine Waffen oder Seile gibt und das Fest angeblich unter dem Zeichen der Achtung vor dem Tier steht, zeigen Videos oft Szenen, in denen Pferde zu Boden gerungen und sichtbar in Panik versetzt werden.
Internationale Tierschutzorganisationen fordern seit Jahren eine Modernisierung oder Abschaffung des Events – besonders in einer Zeit, in der das Bewusstsein für Tierwohl und artgerechte Haltung wächst. Die Veranstalter entgegnen, dass das Ritual nicht nur der Pflege der Tiere diene, sondern ein lebendiges Beispiel galicischer Identität sei, das mit Respekt gegenüber Mensch und Tier durchgeführt werde.
Ein Spiegelbild der Debatte um Tradition und Wandel
„Rapa das Bestas“ steht exemplarisch für viele ländliche Bräuche in Spanien, bei denen lokale Kultur und moderner Tierschutz miteinander in Konflikt geraten. Ähnlich wie beim Stierlauf in Pamplona oder traditionellen Feuerfesten in Valencia stellt sich auch hier die Frage: Wie viel Tradition ist heute noch vertretbar – und wo beginnt das Tierleid?
Für viele Galicier ist die „Rapa“ mehr als ein Fest – sie ist ein Ausdruck der Beziehung zwischen Mensch und Natur, zwischen Geschichte und Gegenwart. Doch mit jedem Jahr wird der Druck größer, diese Beziehung neu zu definieren.
Ein faszinierendes Erbe für viele Besucher
Die „Rapa das Bestas“ ist eine von tausenden traditionellen Festen in Spanien, die nicht nur tief in der lokalen Identität verwurzelt sind, sondern auch ausländische Besucher immer wieder in ihren Bann ziehen – sei es durch ihre Ursprünglichkeit, Emotionalität oder den ewigen Spannungsbogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
