Redaktion Spanien Press
Der Centro de Investigaciones Sociológicas (CIS) ist eine offizielle spanische Forschungsstelle, die regelmäßig Meinungsumfragen zur politischen Stimmung im Land veröffentlicht. Die jüngste CIS-Umfrage vom Juli zeigt einen dramatischen Einbruch für die regierende Sozialistische Partei (PSOE) von Premierminister Pedro Sánchez.
Auslöser ist ein Korruptionsskandal um Santos Cerdán, ehemaligen Organisationssekretär der Partei und enger Vertrauter des Regierungschefs.
Cerdán wurde Anfang Juli verhaftet. Nur wenige Tage später spiegelt sich der Skandal in den Umfragewerten wider:
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PSOE: fällt von 34,3 % im Juni auf 27 %
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PP (konservative Volkspartei): liegt mit 26,5 % fast gleichauf
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Vox (rechtsextrem): steigt von 13,2 % auf 18,9 %
Korruption erschüttert den Sozialismus
Noch im Juni galt der PSOE als klarer Wahlsieger. Die Partei hatte sieben Prozentpunkte Vorsprung vor der konservativen Opposition. Doch der politische Schock rund um Cerdán hat die Stimmung in kürzester Zeit gekippt. Der Vertrauensverlust ist massiv.
Auch die konservative PP verliert leicht, während Vox von der Situation profitiert und deutlich an Unterstützung gewinnt. Der rechtsextremen Partei gelingt der größte Sprung seit Monaten.
Linkes Lager unter Druck
Kleinere linke Parteien verzeichnen nur leichte Zugewinne:
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Sumar steigt auf 7,8 %
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Podemos liegt bei 4,4 %
Die populistische Protestbewegung Se Acabó la Fiesta (SALF) des umstrittenen Europaabgeordneten Alvise Pérezklettert auf 1,7 %.
Auch die regionalen Parteien bleiben relativ stabil:
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ERC (Katalonien): 2,1 %
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Junts (Katalonien): 1 %
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Bildu (Baskenland): 0,9 %
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PNV (Baskenland): 0,8 %
Bleibt Sánchez im Amt?
Trotz des Umfrageeinbruchs hält Pedro Sánchez an seinem Amt fest. Einen Rücktritt lehnt er kategorisch ab. Doch der politische Druck wächst, und das Vertrauen in seine Regierung hat spürbar gelitten.
Das Juli-Barometer markiert einen Wendepunkt: Die politische Mehrheit in Spanien ist wieder offen, und die Rechtspopulisten gewinnen an Boden. Es bleibt abzuwarten, ob die Sozialisten das Steuer noch einmal herumreißen können – oder ob sich ein grundlegender politischer Wandel im Land abzeichnet.
