Während viele Regionen im Landesinneren Einwohner verlieren, passiert in Paredes de Nava (Provinz Palencia) gerade das Gegenteil: Die Gemeinde steht kurz davor, wieder rund 2.000 Einwohner zu erreichen – ein Niveau, das sie vor über zehn Jahren verloren hatte.
Der Grund ist keine einzelne Maßnahme, sondern eine Kombination aus gesteuerter Zuwanderung und einem ungewöhnlichen Wohnungsmodell mit günstigen Mieten.
Wohnen statt Wegzug
Nach der Pandemie richtete die Gemeinde ein eigenes Büro zur Wiederbesiedlung ein, unterstützt vom spanischen Ministerium für Demografie und ökologische Transformation.
2024 begann dann die Zusammenarbeit mit der Immobilien-SOCIMI TuTecho, einem sozialen Vermieter, der Wohnungen für Menschen ohne festen Wohnsitz bereitstellt.
Das Unternehmen kaufte zunächst vier, später insgesamt elf Häuser im Ort. Diese werden an die Gemeinde vermietet – und von dort zu moderaten Preisen an neue Bewohner weitergegeben.
Der Hintergrund: In vielen spanischen Dörfern existiert praktisch kein Mietmarkt mehr. Wer neu kommt, findet schlicht keine Wohnung. Genau dort setzt das Modell an.
Zuwanderung bringt Leben zurück
Das Ergebnis ist sichtbar: Rund 150 neue Einwohner sind bereits hinzugekommen, etwa drei Viertel davon aus dem Ausland – vor allem aus Lateinamerika, Kuba und Argentinien.
Der Bürgermeister sieht darin ein Beispiel für ganz Spanien:
Die Kombination aus Migration und verfügbarem Wohnraum könne gleichzeitig Wohnungsnot in Städten und Entvölkerung auf dem Land entschärfen.
TuTecho hat das Konzept inzwischen auf mehrere Gemeinden ausgeweitet, die gezielt Mietwohnungen schaffen, um neue Bewohner anzuziehen.
Vom Großstadtleben ins Dorf
Ein Beispiel ist Antonio Mendez, der zunächst mit seiner Familie nach Madrid zog – und dort schnell wieder weg wollte.
Heute arbeitet er als Elektriker im Ort und fühlt sich angekommen. Seine Familie ist inzwischen ebenfalls nachgezogen.
Solche Geschichten sind typisch: Viele Neuankömmlinge suchen nicht nur günstigere Mieten, sondern auch Sicherheit, Gemeinschaft und Perspektiven.
Arbeit vorhanden
Entgegen dem Klischee fehlt es in der Region nicht an Jobs. In der Provinz Palencia sind über 1.200 Stellen unbesetzt, zusätzlich zu Industriearbeitsplätzen rund um das Renault-Werk.
Auch lokal wächst die Wirtschaft: Neben Landwirtschaft, Gerberei und Wollverarbeitung entsteht eine neue Olivenölraffinerie mit rund 100 Arbeitsplätzen.
Die Herausforderung ist daher nicht mehr Arbeit zu finden – sondern genug Wohnraum zu schaffen.
Was hier passiert, zeigt ein mögliches Zukunftsmodell für Spanien:
Während Großstädte unter Wohnungsknappheit leiden, könnten kleinere Orte mit bezahlbarem Wohnraum und gezielter Zuwanderung wieder wachsen.
