Zwei Spanier befinden sich unter den 20 aktivsten Trophäenjägern der Welt. Während sie früher verehrt wurden, löst ihr Tun heute blankes Unverständnis aus
Redaktion Spanien Press
Zwei Spanier stehen auf einer internationalen Liste der berüchtigtsten Großwildjäger, die von der britischen Organisation CBTH (Campaign to Ban Trophy Hunting) erstellt wurde. Diese Liste dokumentiert die weltweit aktivsten Jäger, die in großem Stil exotische und teils bedrohte Tierarten töten – und sie anschließend ausgestopft zur Schau stellen.
M. G. S., auf Platz acht der Liste, hat im Laufe seines Lebens mindestens 2.000 Tiere aus 420 Arten erlegt – darunter Leoparden, Tiger, Löwen, Nashörner, Affen und 14 Elefanten. Ein geplantes Jagdmuseum mit seiner Sammlung in Extremadura wurde gestoppt, nachdem die Polizei Ermittlungen wegen mutmaßlichen illegalen Handels mit geschützten Arten einleitete.
J. M. R., Platz zehn, hat insgesamt 258 verschiedene Tierarten getötet. In seiner persönlichen Bilanz stehen unter anderem vier Elefanten, sieben Leoparden und sieben Kaffernbüffel.
Noch deutlich weiter geht der Spanier A. S. A., der nicht offiziell gelistet ist, weil er nie an Wettbewerben teilgenommen hat. Laut CBTH hat er jedoch mehr als 4.000 Tiere erlegt, darunter 1.317 Elefanten, 340 Löwen, 167 Leoparden, 127 Spitzmaulnashörner und sogar zwei Gorillas. Eine seiner Expeditionen nach Äquatorialguinea endete – laut seinen eigenen Erinnerungen – mit tödlichen Schüssen auf zwei Menschenaffen.
Vom Statussymbol zur moralischen Anklage
Einst galten solche Zahlen als Symbol für Reichtum, Macht oder Abenteuerlust – doch die Gesellschaft hat sich verändert. Was früher Bewunderung hervorrief, stößt heute auf Entsetzen und Ablehnung. Immer mehr Menschen empfinden die Trophäenjagd als überkommen, grausam und ethisch inakzeptabel.
„Diese Jagd wird von vielen als primitive Machtdemonstration reicher Männer verstanden“, erklärt Eduardo Gonçalves, Leiter der CBTH. „Die Jagd auf gefährdete Tiere dient nicht dem Artenschutz, sondern allein dem Ego.“
Jagd als Sucht
Die Motivation der Jäger ist oft emotionaler Natur. Gonçalves berichtet von einem Gespräch mit einem Vieljäger, der ihm sagte, die Jagd wirke auf ihn wie Heroin: ein Adrenalinschub, der süchtig mache. Dieser emotionale Rausch scheint viele dazu zu treiben, immer neue und seltenere Tiere zu jagen – selbst wenn sie streng geschützt sind.
Die Schattenseite des Safari-Booms
Die Veröffentlichung der Liste fällt mit dem zehnten Todestag des Löwen Cecil zusammen, der 2015 von einem US-Zahnarzt in Simbabwe getötet wurde. Der Fall sorgte weltweit für Aufsehen und wachsende Kritik an der Trophäenjagd. Seitdem, so CBTH, wurden mindestens 10.000 weitere Löwen getötet. 2023 allein wurden rund 25.000 Tiertrophäen international gehandelt – darunter Köpfe, Felle, Hauer oder ganze Körper.
Forderung nach internationalem Verbot
Trotz öffentlicher Empörung ist es bislang nicht gelungen, den internationalen Handel mit Trophäen wirksam zu verbieten. Auch in Spanien ist der Import bestimmter Jagdtrophäen weiterhin legal, wenn auch reglementiert.
Prominente Persönlichkeiten wie Jane Goodall, Judi Dench oder Ricky Gervais unterstützen die Kampagne der CBTH für ein weltweites Trophäenverbot. Die NGO fordert eine sofortige Moratorium für Jagden auf bedrohte Arten sowie ein Verbot für die Ein- und Ausfuhr von Trophäen durch Regierungen weltweit.
Die Enthüllung dieser Liste markiert nicht nur einen Wendepunkt in der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Jagd. Sie zeigt auch, wie tief die Kluft zwischen öffentlicher Moral und gelebter Realität ist – eine Realität, in der das Leben bedrohter Tiere weiterhin einem elitären Hobby geopfert wird.
