Trotz Gesetzesverbot: Wie Immobilienfirmen in Spanien weiterhin illegale Gebühren von Mietern kassieren

Credit Maria Ziegler (Unsplash)

Illegale Praktiken trotz klarer Gesetzeslage – Mieterschutzorganisationen schlagen Alarm

von Peter Capitain (bdp Spanien)

Trotz einer eindeutigen gesetzlichen Regelung kassieren viele Immobilienagenturen in Spanien weiterhin Gebühren von Mietern – obwohl das Wohnraumgesetz von 2023 ausdrücklich verbietet, dass Mieter für Maklerdienstleistungen zahlen müssen. Laut Gesetz darf ausschließlich der Vermieter die Provision für die Vermittlung einer Mietwohnung übernehmen. Doch vielerorts wird dieses Verbot umgangen – mit anderen Bezeichnungen, Drohungen oder durch Verschleierung der Kosten.

Das Gesetz ist eindeutig: Mieter zahlen keine Maklerprovision

Seit der Reform des Wohnraumgesetzes (Ley de Vivienda) im Jahr 2023 gilt: Die Beauftragung und Bezahlung von Immobilienmaklern ist Sache der Eigentümer. Wer eine Mietwohnung über eine Agentur findet, muss keinerlei Provision oder Bearbeitungsgebühr zahlen – egal ob für die Vertragserstellung, Schlüsselausgabe oder Ummeldung von Strom und Wasser.

Doch auf dem überlasteten Mietmarkt nutzen viele Agenturen die Unwissenheit und Verzweiflung der Wohnungssuchenden aus.

Versteckte Gebühren unter falscher Bezeichnung

In zahlreichen Fällen berichten Mieter, dass sie zur Zahlung sogenannter „Verwaltungsgebühren“ oder „Servicepauschalen“ gedrängt wurden – meist in Höhe einer Monatsmiete. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um verbotene Maklerprovisionen, die laut Gesetz dem Vermieter in Rechnung gestellt werden müssen.

Staatliche Sanktionen gegen unrechtmäßige Gebühren

Das Verbraucherschutzministerium hat 2025 bereits Verfahren gegen mehrere große Immobilienfirmen eingeleitet, die gegen das Gesetz verstoßen. Darunter Unternehmen wie Alquiler Seguro, die von Mietern systematisch eine Monatsmiete als Gebühr verlangten – ohne jede rechtliche Grundlage.

Auch Zusatzverträge wie Versicherungen oder Services, die nur dem Eigentümer dienen, werden teils zwangsweise an Mieter verkauft, um indirekt Einnahmen zu erzielen.

Wie Mieter sich wehren können

Mieter, die zu Unrecht zur Zahlung einer Gebühr aufgefordert wurden, haben das Recht, diese Summe zurückzufordern. Verbraucherverbände wie OCU oder FACUA raten, sich alle Zahlungsaufforderungen schriftlich geben zu lassen und keine Barzahlungen ohne Beleg zu leisten.

Maklerverband fordert mehr Transparenz – und Schutz für seriöse Anbieter

Die Immobilienbranche reagiert gereizt auf den wachsenden öffentlichen Druck. Der spanische Maklerverband FAI betont, dass viele Agenturen gesetzestreu arbeiten und fordert gleichzeitig die Einführung eines Qualitätssiegels für legale Maklerunternehmen.

Gesetz schützt Mieter – doch Kontrolle fehlt

Das Gesetz ist eindeutig: Mieter zahlen keine Maklerprovision. Wer eine Wohnung mietet, darf keinerlei Zusatzgebühren an die Vermittlungsagentur leisten. Doch die Realität sieht anders aus – vor allem in Großstädten mit Wohnungsknappheit.

Die Regierung kündigt schärfere Kontrollen und hohe Geldstrafen an. Doch solange viele Mieter aus Angst oder Unkenntnis zahlen, bleibt das illegale Geschäftsmodell für skrupellose Agenturen lukrativ.

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