Die Waldbrandlage in Spanien spitzt sich weiter dramatisch zu. In der Provinz Huelva ist innerhalb von nur 24 Stunden bereits der dritte größere Waldbrand ausgebrochen. Besonders betroffen ist die Gemeinde El Cerro de Andévalo, wo die Flammen aufgrund extremer Hitze, starker Winde und ausgetrockneter Vegetation außer Kontrolle geraten sind. Hunderte Anwohner mussten ihre Häuser verlassen, während Feuerwehr und Löschflugzeuge mit einem Großaufgebot gegen die Flammen kämpfen.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Mehr als 380 Menschen in Sicherheit gebracht
Nach Angaben der andalusischen Behörden wurden 384 Bewohner der Ortschaft Villanueva de las Cruces vorsorglich evakuiert. Über das spanische Warnsystem erhielten die Einwohner Notfallmeldungen auf ihre Mobiltelefone und wurden aufgefordert, ihre Häuser umgehend zu verlassen. Die Evakuierung verlief geordnet, dennoch beobachten die Einsatzkräfte die Entwicklung der Lage mit großer Sorge.
Die Flammen breiteten sich aufgrund wechselnder Windrichtungen rasch in einem schwer zugänglichen Gebiet des Andévalo aus. Das Feuer bedrohte zeitweise mehrere Wohngebiete sowie landwirtschaftliche Flächen.
Großaufgebot von Feuerwehr und Luftunterstützung
Der andalusische Waldbranddienst Infoca reagierte mit einem massiven Einsatz. Über 100 Feuerwehrleute arbeiteten zeitweise gleichzeitig am Boden. Unterstützt wurden sie von mehreren Löschflugzeugen und Hubschraubern, Bulldozern, Tanklöschfahrzeugen sowie speziellen Wetter- und Einsatzleitteams. Während der Nacht blieben rund 130 Einsatzkräfte vor Ort, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Besonders schwierig gestalten sich die Löscharbeiten wegen dichter Vegetation, hoher Temperaturen und immer wieder auffrischender Windböen. Die Behörden hoffen, mit dem massiven Personaleinsatz ein Übergreifen auf weitere Ortschaften verhindern zu können.
Bereits der dritte Großbrand innerhalb eines Tages
Der Brand in El Cerro de Andévalo ist kein Einzelfall. Innerhalb von nur 24 Stunden wurden in der Provinz Huelva gleich mehrere Waldbrände registriert. Bereits zuvor hatte ein Feuer bei Almonaster la Real zahlreiche Evakuierungen ausgelöst und den Bahnverkehr zwischen Huelva und Zafra zeitweise unterbrochen. Erst nachdem sich die Lage dort entspannte, konnten die Bewohner schrittweise in ihre Häuser zurückkehren.
Die neue Brandserie verdeutlicht, wie angespannt die Situation derzeit in Andalusien ist.
Spanien erlebt eine der schwersten Waldbrandsaisons seit Jahren
Der Brand in Huelva ist Teil einer landesweiten Feuerkatastrophe. Nach offiziellen Angaben wurden in Spanien in diesem Jahr bereits nahezu 120.000 Hektar Wald- und Buschland zerstört – etwa doppelt so viel wie im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig kämpfen Einsatzkräfte gegen zahlreiche Großbrände in Kastilien-La Mancha, Kastilien-León, Madrid, Toledo und weiteren Regionen.
Besonders dramatisch bleibt die Lage in Guadalajara, wo ein Waldbrand bereits mehr als 32.000 Hektar vernichtet hat. Zwar sprechen die Behörden inzwischen von einer leichten Stabilisierung, dennoch zählt das Feuer bereits zu den größten Waldbränden der vergangenen Jahrzehnte in Spanien.
Extreme Wetterbedingungen verschärfen die Gefahr
Meteorologen machen vor allem die anhaltende Hitzewelle für die außergewöhnlich hohe Waldbrandgefahr verantwortlich. Temperaturen von über 40 Grad, extrem trockene Vegetation und kräftige Winde schaffen ideale Bedingungen für eine rasche Ausbreitung von Bränden. Schon kleinste Funken können derzeit ausreichen, um großflächige Feuer auszulösen.
Die Behörden appellieren deshalb eindringlich an die Bevölkerung, offenes Feuer konsequent zu vermeiden und sämtliche Warnhinweise zu beachten.
Regierung warnt vor zunehmender Klimabelastung
Angesichts der Vielzahl gleichzeitiger Großbrände hat Spaniens Regierung erneut auf die zunehmenden Auswirkungen extremer Wetterereignisse hingewiesen. Ministerpräsident Pedro Sánchez besuchte bereits mehrere betroffene Regionen und forderte einen langfristigen nationalen Aktionsplan gegen die Folgen des Klimawandels und zunehmender Waldbrandrisiken.
Nach Regierungsangaben wurden allein im Jahr 2026 bereits 22 Großbrände registriert – ein Vielfaches gegenüber dem Vorjahr.
Lage weiterhin angespannt
Zum jetzigen Zeitpunkt bleibt der Waldbrand bei El Cerro de Andévalo unter intensiver Beobachtung. Die Einsatzkräfte arbeiten rund um die Uhr daran, das Feuer einzudämmen und weitere Evakuierungen zu verhindern. Ob die bereits evakuierten Bewohner kurzfristig in ihre Häuser zurückkehren können, hängt von der weiteren Entwicklung der Wetterlage und dem Erfolg der Löscharbeiten ab.
