In Spanien erhalten tausende Frauen, die Opfer geschlechtsspezifischer Gewalt geworden sind, besonderen Schutz durch sogenannte Anti-Gewalt-Armbänder. Diese elektronischen Geräte sollen sicherstellen, dass sich Täter mit richterlichem Annäherungsverbot ihren Opfern nicht nähern können. Doch nun steht das System selbst im Zentrum eines politischen Sturms – und bringt der Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez einen neuen Skandal ein
Redaktion Spanien Press
Wie funktioniert das System?
-
Der Täter trägt ein Armband oder eine Fußfessel, die rund um die Uhr ein GPS-Signal aussendet.
-
Das Opfer erhält ein eigenes Gerät, ähnlich einem Mobiltelefon, das Alarm schlägt, sobald der Täter den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand verletzt.
-
Ein spezielles Kontrollzentrum (System Cometa) überwacht die Bewegungen in Echtzeit und informiert im Gefahrenfall sofort die Polizei.
Seit 2009 gilt Spanien mit diesem Modell als europäischer Vorreiter. Über 4.000 Armbänder sind aktuell aktiv, und laut Behörden wurde keine Frau ermordet, während sie unter diesem Schutz stand.
Der Skandal um Datenverlust und Pannen
Doch nun erschüttern gravierende technische und organisatorische Fehler das Vertrauen in das System:
-
Beim Wechsel des Betreibers (von Telefónica zu Vodafone) kam es zu Fehlern bei der Datenmigration. Dadurch gingen entscheidende Bewegungsdaten verloren, die für Gerichtsverfahren notwendig waren.
-
Folge: Mehrere Verfahren wegen Verstoßes gegen Annäherungsverbote mussten eingestellt werden, in manchen Fällen wurden Täter freigesprochen.
-
Zudem häufen sich Berichte über Netzprobleme in ländlichen Regionen und Fehlalarme, die bei Opfern Angst und Verunsicherung auslösen.
Politische Dimension
Für die Regierung Sánchez ist der Fall heikel: Das System gilt als Aushängeschild Spaniens im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Dass es ausgerechnet unter ihrer Verantwortung zu massiven Pannen kam, wird von der Opposition als Beweis für „Inkompetenz und mangelnde Kontrolle“ gewertet.
Das Gleichstellungsministerium und das Innenministerium spielen den Vorfall herunter: „Das Leben der Opfer war nie in Gefahr“, heißt es. Doch gleichzeitig mussten sie einräumen, dass wichtige Beweise für Gerichtsverfahren verloren gingen – ein Eingeständnis, das die Kritik weiter anheizt.
Ein Schutzsystem mit Rissen
Trotz aller Probleme bleibt das Armband-System ein wichtiges Instrument. Aber die jüngsten Enthüllungen zeigen: Technologie allein reicht nicht aus. Ohne verlässliche Infrastruktur, strenge Kontrollen und politische Verantwortung kann ein Schutzsystem selbst zur Schwachstelle werden.
