Fast neunzig Jahre nach dem Spanischen Bürgerkrieg hat die spanische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez bestätigt, dass die Mitglieder der Internationalen Brigaden und ihre Nachkommen die spanische Staatsbürgerschaft beantragen können – ein symbolischer Akt der Wiedergutmachung im Rahmen des Gesetzes über das Demokratische Gedenken (Ley de Memoria Democrática).
Unter den Begünstigten sind auch die Nachfahren der deutschen Freiwilligen, die einst auf spanischem Boden für die Freiheit kämpften
Redaktion Spanien Press
Deutsche Freiwillige im Kampf gegen den Faschismus
Zwischen 3.000 und 5.000 Deutsche schlossen sich zwischen 1936 und 1939 den Internationalen Brigaden an.
Viele von ihnen waren Antifaschisten im Exil, die nach Hitlers Machtübernahme aus Deutschland geflohen waren und in Spanien eine neue Front gegen den Nationalsozialismus sahen.
Ihre bekannteste Einheit war das Thälmann-Bataillon, benannt nach Ernst Thälmann, dem inhaftierten Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).
Das Bataillon kämpfte in der XI. Internationalen Brigade in einigen der härtesten Schlachten des Krieges – in der Verteidigung Madrids, in der Schlacht am Jarama und in der Ebro-Offensive.
Die Männer des Thälmann-Bataillons waren keine Berufssoldaten, sondern Arbeiter, Bauern, Intellektuelle, Journalisten, Künstler und Studenten, vereint durch die Überzeugung, den Vormarsch des Faschismus in Europa aufhalten zu müssen.
Viele stammten aus Hamburg, Berlin, Leipzig oder Wien und hatten in der KPD oder in Gewerkschaften des linken Spektrums gearbeitet.
Einige waren Juden, die vor den Nürnberger Rassengesetzen geflohen waren, andere Sozialdemokraten, Katholiken oder Atheisten, die den Totalitarismus ablehnten.
Auch deutsche Frauen nahmen teil – als Krankenschwestern, Dolmetscherinnen oder Kriegsberichterstatterinnen – und spielten in den republikanischen Lazaretten eine entscheidende Rolle.
Einer ihrer bekanntesten Kommandeure war Hans Kahle, ehemaliger Offizier, Journalist und später Flüchtling in der Sowjetunion.
Ihr Motto war ebenso einfach wie universell:
„Für unsere Freiheit und eure.“
Die Bedeutung der neuen Regelung
Mit dem jüngsten Beschluss möchte Spanien ein Stück historische Gerechtigkeit wiederherstellen.
Das Gesetz über das Demokratische Gedenken erkennt an, dass die Freiwilligen der Internationalen Brigaden – und ebenso ihre Nachkommen – „unter außergewöhnlichen Umständen“ das Recht auf spanische Staatsbürgerschaft haben.
Die Maßnahme gilt nicht automatisch: Wer die Staatsbürgerschaft erhalten möchte, muss einen Antrag stellen und die familiäre Verbindung zu einem Brigadisten oder die fortgeführte Erinnerung an ihn nachweisen.
Ein Vorteil: Es ist keine Aufgabe der bisherigen Staatsangehörigkeit erforderlich, auch kein Wohnsitz in Spanien.
Derzeit sind rund 170 Anträge von Nachkommen in Bearbeitung – ein kleiner, aber bedeutungsvoller Schritt im Rahmen einer größeren Erinnerungspolitik.
Das Vermächtnis des Thälmann-Bataillons
Die deutschen Brigadisten kamen aus Hamburg, Berlin, Wien oder Zürich, viele waren Arbeiter, Journalisten, Ärzte oder Studenten.
Sie kämpften mit einer Entschlossenheit, die aus Überzeugung und Verzweiflung zugleich geboren war: Sie wussten, dass sie nach dem Krieg nicht mehr in ihr Heimatland zurückkehren konnten.
Nach der Niederlage der Republik wurden viele in französischen Internierungslagern festgehalten; später verschleppte sie die Gestapo in Konzentrationslager wie Dachau oder Mauthausen.
In der DDR wurden sie später als antifaschistische Helden geehrt – im Westen hingegen geriet ihr Einsatz lange in Vergessenheit.
Heute erinnert der Name des Thälmann-Bataillons in Spanien und Deutschland gleichermaßen an den europäischen Idealismus jener Zeit.
Erinnerung als Versöhnung
Ministerpräsident Sánchez erklärte, es sei eine Ehre für Spanien, „die Nachkommen jener Männer und Frauen zu unseren Landsleuten zu machen, die für die Demokratie in Europa gekämpft haben“.
Die Anerkennung mag formell begrenzt erscheinen, doch ihr Wert ist zutiefst symbolisch:
Ein Land dankt jenen, die es einst verteidigten, als seine eigene Zukunft noch ungewiss war.
Ein Vermächtnis ohne Grenzen
Die deutschen Brigadisten kämpften nicht für ihr eigenes Land, sondern für eine Idee – die Idee der Freiheit, der Solidarität, der Menschlichkeit.
Ihr Opfer war Teil eines größeren europäischen Dramas, das bald die ganze Welt erfassen sollte.
Heute, da ihre Nachkommen die spanische Staatsbürgerschaft beantragen können, schließt sich ein Kreis der Geschichte:
