Die andalusischen Gesundheitsbehörden haben erstmals in diesem Jahr Teile der Costa del Sol offiziell zur West-Nil-Virus-Alarmzone erklärt. Betroffen sind die Küstenstadt Fuengirola sowie Las Lagunas, ein Ortsteil der Gemeinde Mijas. Hintergrund ist der Nachweis des Virus in Stechmücken, die im Rahmen des regionalen Überwachungsprogramms untersucht wurden. Für Urlauber und Einwohner bedeutet dies zwar erhöhte Vorsicht – Anlass zur Panik besteht nach Angaben der Behörden jedoch nicht.
Redaktion Spanien Press
von Marlon Gallego Bosbach
Virus in Mückenfallen entdeckt
Die Alarmstufe wurde aktiviert, nachdem in einer Mückenfalle an der Costa del Sol Exemplare nachgewiesen wurden, die das West-Nil-Virus tragen. Das Virus zirkuliert in der Natur hauptsächlich zwischen Wildvögeln und Stechmücken. Menschen und Pferde können sich durch den Stich infizierter Mücken anstecken, gelten jedoch als sogenannte Fehlwirte und tragen nicht wesentlich zur weiteren Verbreitung bei.
Mit der Einstufung als Alarmgebiet werden die Überwachungsmaßnahmen deutlich ausgeweitet. Neben einer intensiveren Kontrolle der Mückenpopulation werden auch Tiere überwacht und die Bevölkerung verstärkt über Schutzmaßnahmen informiert. Gleichzeitig sind die betroffenen Gemeinden verpflichtet, die Bekämpfung von Stechmücken erheblich zu verstärken.
Keine menschlichen Infektionen in der Provinz Málaga
Trotz des positiven Virusnachweises in Mücken gibt es derzeit keinen bestätigten Fall einer West-Nil-Infektion beim Menschen in der Provinz Málaga. Alle bislang registrierten Erkrankungen stammen aus der Provinz Sevilla.
Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurden in Andalusien in dieser Saison bislang fünf menschliche Infektionen bestätigt. Dabei handelt es sich ausschließlich um milde Krankheitsverläufe. Der jüngste Fall betrifft einen Mann aus Coria del Río, dessen Erkrankung Ende Juli per PCR-Test bestätigt wurde.
Alarm gilt zunächst für mindestens vier Wochen
Die aktuelle Alarmstufe bleibt zunächst für einen Zeitraum von mindestens vier Wochen bestehen. Erst wenn während dieses Zeitraums weder neue Virusnachweise in Mücken noch Infektionen bei Vögeln, Pferden oder Menschen festgestellt werden, kann die Warnung wieder aufgehoben werden.
Parallel dazu werden die Kommunen Fuengirola und Mijas verpflichtet, Brutstätten von Mücken konsequent zu beseitigen. Dazu gehören stehende Gewässer ebenso wie Bereiche, in denen sich ausgewachsene Mücken bevorzugt aufhalten. Die Maßnahmen erstrecken sich auch auf Gebiete bis zu 1,5 Kilometer rund um bewohnte Zonen.
Was ist das West-Nil-Virus?
Das West-Nil-Virus gehört zur Familie der Flaviviren und wird fast ausschließlich durch den Stich infizierter Stechmücken übertragen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch findet im normalen Alltag nicht statt.
Die meisten Infektionen verlaufen jedoch harmlos: Rund 80 Prozent der Betroffenen entwickeln überhaupt keine Symptome. Etwa jeder fünfte Infizierte erkrankt an einem meist milden, grippeähnlichen Krankheitsbild. Typische Beschwerden sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, ausgeprägte Müdigkeit, Muskelschmerzen sowie gelegentlich ein Hautausschlag. Nur in seltenen Fällen kann das Virus zu schweren neurologischen Erkrankungen wie einer Gehirn- oder Hirnhautentzündung führen. Von solchen Komplikationen sind vor allem ältere Menschen sowie Personen mit einem geschwächten Immunsystem betroffen.
Behörden rufen zu Vorsichtsmaßnahmen auf
Die Gesundheitsbehörden appellieren sowohl an Einheimische als auch an Urlauber, sich konsequent vor Mückenstichen zu schützen. Besonders in den frühen Morgenstunden sowie in der Abenddämmerung, wenn Stechmücken besonders aktiv sind, sollte auf einen wirksamen Schutz geachtet werden.
Empfohlen wird die Verwendung zugelassener Mückenschutzmittel sowie das Tragen langer, möglichst heller Kleidung. Zusätzlich können Moskitonetze an Fenstern und Türen dazu beitragen, Mücken aus Wohnräumen fernzuhalten. Auch stehendes Wasser in Gärten, auf Balkonen oder in Blumentöpfen sollte möglichst vermieden werden, da es ideale Brutbedingungen für Stechmücken bietet. Der Einsatz von Insektenschutz im Wohnbereich kann das Risiko weiterer Mückenstiche zusätzlich reduzieren.
Wer nach einem Mückenstich hohes Fieber oder neurologische Beschwerden wie starke Kopfschmerzen, Verwirrtheit oder Nackensteifigkeit entwickelt, sollte vorsorglich ärztlichen Rat einholen.
Bereits 15 Gemeinden in Andalusien betroffen
Mit Fuengirola und Las Lagunas wächst die Zahl der Gemeinden mit offizieller West-Nil-Warnung in Andalusien auf insgesamt 15. Die meisten betroffenen Orte liegen weiterhin in der Provinz Sevilla. Darüber hinaus wurden Virusnachweise bereits in Teilen der Provinzen Almería, Granada, Jaén, Córdoba und Málaga registriert.
Die Regionalregierung überwacht die Entwicklung mit einem Netzwerk von mehr als 200 Mückenfallen, die regelmäßig ausgewertet werden. Ziel ist es, eine mögliche Viruszirkulation möglichst früh zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten, bevor es zu größeren Ausbrüchen kommt.
Kein Grund, den Urlaub abzusagen
Nach Einschätzung der Behörden besteht derzeit kein Anlass, Reisen an die Costa del Sol abzusagen. Die Alarmstufe dient in erster Linie der Vorsorge und bedeutet nicht, dass ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Urlauber besteht.
Da bislang keine menschlichen Infektionen in der Provinz Málaga registriert wurden und die überwiegende Mehrheit aller Infektionen symptomlos verläuft, sehen Experten die Situation als kontrollierbar an. Dennoch empfehlen sie, insbesondere während der Sommermonate die allgemeinen Schutzmaßnahmen gegen Mücken konsequent einzuhalten.
